Rückwärts richten

Guten Abend,

ich schreibe Ihnen, vielleicht können Sie mir weiterhelfen.

 

Vorab: Ich arbeite mit meinem Pferd nach der Geitnerschen "Be strict Methode" , mit der ich bisher auch wirklich sehr gute Ergebnisse erziehlt habe. Doch folgendes Problem hat sich eingeschlichen und soll abgestellt werden:

 

Ich gehe ca. 4 -5 Mal die Woche mit meinem 2jährigen Wallach Amlan im Rahmen von Erziehung und Gelassenheitstraining spazieren. Mehr noch nicht.

Er weicht, er drängelt nicht, seinen Kopf trägt er in entspannter Position. Ohren bei mir. Wenn ich halte, hält er etc. In Box/Koppel kommt er auf Ruf zu mir. Ich habe ihn als Absetzer. Alles prima und dann plötzlich reißt er sich los.

Er galoppiert aus aufmerksamen Schritt an. Ich habe keine Chance, ihn zu halten. Kette bringt nur geringfügig was. Er schafft es trotzdem.

Bevor er sich losreißt ist er weder nervös noch unachtsam, noch drängelig er respektlos.

 

Dann galoppiert er meist einen kleinen Zirkel und kommt dann zu mir zurück!!!

Dann bestrafe ich ihn natürlich nicht. Er kommt ja schließlich zurück. Wenn ich es schaffe einen Versuch loszurennen zu halten, bestrafe ich ihn für sein flegeliges Verhalten.

Das ist bisher ca. 8 Mal passiert im Abstand von ca. 4 Wochen - also durchaus nicht jedesmal, aber definitv 8 mal zu viel.

 

Im Gelände ist er ganz ...... und Nervenstark - keine Angst vor Folien, Rehen, Autos, Brücken... wenn er sich doch Mal erschrickt, aus einem driftigen Grund, lasse ich ihn rückwärts treten und den Kopf senken, um zu entspannen und lobe ihn dann.

 

Ich würde mich über Hilfe sehr freuen.

Viele Grüße,

 

 

Liebe Sarah,

 

aus dem, was Sie in Ihrer Mail über sich und Amlan schreiben, habe ich ein "vages" Bauchgefühl - weil man im ersten Moment sein Verhalten nicht einzuordnen vermag ... (geht man von den Dingen aus, die ja schon gut klappen). Einzig die Sache mit der "Führkette" bei einem 2jährigen lassen mich aufhorchen...

 

... fasse nochmal die wichtigen Punkte unseres ... zusammen:

- Wenn Amlan springt, kein Feel über den Führstrick oder das Halfter geben. Also: Longierleine anstelle von Führstrick und "Leine geben"!

- Thema Fairness: Hengte haben ein unglaublich starkes und ausgeprägtes Fairness-Gefühl. Deshalb beobachten und ausprobieren, wie fein oder wie stark gemaßregelt werden kann; da Amlan ja noch nicht so lange Wallach ist: wie ist sein Fairness-Gefühl? Tipp: Immer mit so wenig wie möglich "Schärfe" starten und sehen, was verstanden und angenommen wird. (Steigern geht ja sowieso).

-Thema Traktoren: Konzentriert und ruhig bleiben. Auf Puls und innere Einstellung achten, denn die überträgt sich. Die Feinfühligkeit eines Pferdes ist so hoch (und insbesondere eines jungen Pferdes oder eines Pferdes, dass noch nicht durch Menschen "kaputtgemacht" wurde), dass es den meisten Menschen wirklich schwer fällt, das gänzlich nachzuvollziehen.

Die Bindung erfolgt von Ihnen zu Amlan und erst dann von Amlan zu Ihnen zurück.

a) Deswegen volle und ruhige Konzentration üben

b) Zusammen mit Amlan Atmen - üben.

c) 80jährig denken. Desto jünger das Pferd, desto langsamer müssen wir werden. Bill Dorrance sagte den bekanntesten und wichtigsten Ausspruch im Horsemaship überhaupt: "Immer, wenn du denkst, du arbeitest in einem guten Tempo mit dem Pferd, werde langsamer!

- Rückwärtsrichten: Rückwärtsrichten nur, wenn wirklich der Grund zum Zurücktreten anliegt, weil man irgendwie schief steht, oder sich drehen will, oder an Amlan vorbeimöchte und es zu eng ist...

Ich sagte bereits ... , dass ich Pferde NIE rückwärtsrichte, um sie zu strafen / maßregeln, oder ihnen etwas zu vermitteln, was sie nicht machen sollen - denn  - aus der Sicht des Pferdes wird damit in diesen Situationen NICHTS verbunden, was relevant oder positiv wäre - also ein Lerneffekt wäre.

Es wird lediglich weiterer Druck aufgebaut - nämlich rückwärts zu gehen. Diese Aktion ist das Ultimatum an "Gehorsam" und "Unterwürfigkeit" und gehört überhaupt nicht an diese Stelle. Gehen wir mit diesem jahrmillionen alten Programm unachtsam und unbesonnen um, könnten wir mit einem Angriff von Seiten des Pferdes rechnen: Entweder es steigt, oder es greift uns mit einem Biss an. Deshalb in die TABU-Kiste mit solchen Aktionen!

Rückwärtsrichten bitte nur in ganz normalen Situationen,

- wenn es mal nicht weitergeht und man wenden muss, oder ähnliches

- wenn man Abstand zwischen sich und dem Pferd bringen möchte (Respekt). Dann lediglich 2 - 3 Schritte  zurück, um den Dunstkreis des anderen jeweils zu respektieren.

 

Viele Grüße

Horsemanship TH-Wagner

Bo Wagner

 

 

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