Hilfe, mein Pferd schlägt...

 

 

Hallo Frau Wagner,

ich habe eine 6jährige Stute, die mir im Umgang (beim Putzen) Schwierigkeiten macht. Auf der Suche nach einer Lösung bin ich auf Ihre Website gestoßen, da ich mir unsicher bin, wie ich damit umgehen soll.

Das Pferd ist mein erstes eigenes, ich reite jedoch schon seit 12 Jahren.

 

Die vielen Pferde, die ich geritten habe waren ausnahmslos brav und daher bin ich nun mit einem mir bisher unbekannten Problem konfrontiert. Ich habe Ihren Artikel "Dem Pferd Respekt beibringen, aber wie?" gelesen und finde ihn sehr gut.

 

Seit ein paar Tagen wende ich die von Ihnen beschriebene Reaktion auf das Schnappen des Pferdes an und es hilft. Ich habe nun noch eine Frage: mein Pferd schlägt leider auch gelegentlich. Wie ist die richtige Reaktion darauf?

 

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Hallo Frau K,

vielen Dank - ich brauche allerdings noch ein paar Einzelheiten mehr...

Schlägt denn die Stute mit dem Kopf - oder schlagen im Sinne von "treten"? Bitte versuchen Sie sich zu erinnern und erzählen Sie mir bitte so gut es genau geht zu rekonstruierenn, in welchen Situationen das passiert, z.B.:

- nur beim Putzen?

- wenn viele Nebengeräusche?

- wenn anderes Pferd in Sicht - oder wird geritten ?

- wenn andere Tiere dabei - Hund/Katze?

- wenn Kinder in der Nähe?

 - Sie berühren eine bestimmte Stelle am Körper?

- immer mit dem selben Bein (falls treten)?

- sind Sie unter Zeitdruck - oder ähnliches?

- sind Sie die erste Halterin nach dem Züchter?

- hat die Stute Herdenerfahrung?

 

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Hallo Frau Wagner,

vielen Dank für Ihre Antwort.

Schlagen habe ich im Sinne von treten gemeint - sie tritt zwar selten gezielt nach mir, hebt aber drohend das Hinterbein. Je nachdem, an welcher Seite ich stehe, ist es das eine oder andere Hinterbein. Schnappen und treten tut sie beim Putzen, Satteln, Eindecken, also immer in der Box oder beim Putzen. Beim Führen, Longieren oder Reiten ist sie absolut brav.

 

Nebengeräusche oder andere "Störfaktoren" gibt es nicht, es ist auch nicht bei einer bestimmten Stelle, sondern immer andere. Zeitdruck habe ich keinen, ich nehme mir beim Putzen und Satteln viel Zeit. Ich habe die Stute vor einem halben Jahr vom Züchter gekauft. Laut Züchter ist die Stute beim Putzen sehr brav. Dies war sie beim Besichtigen und die ersten Monate in meinen Stall auch. Mir ist nicht gan klar, wo die Ursache des Ganzen liegt.

 

Ich versuche so weit es mir möglich ist für Auslauf- und Abwechslung bei der Arbeit zu sorgen, und kümmere mich täglich um die Stute. Ist es möglich, dass die Stute auf eine Gemütsänderung meinerseits reagiert hat? ...

 

Ich möchte dann auf jeden Fall auf die richtige Art und Weise entgegenwirken. Ich bin froh, dass die von Ihnen beschriebene Reaktion auf das Schnappen schon Erfolge zeigt.

 

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Hallo Frau K:,

vielen Dank - ich habe tatsächlich eine Vermutung.

Zu Anfang ihrer Beschreibung hätte ich denken können, dass Ihre Stute möglicherweise Ihnen gegenüber wenig Respekt zeigt und die Rangordnung gern neue strukturieren möchte.  Ich denke jedoch, dass "Respekt" der falsche Ansatz in Ihrem Fall ist. Aus folgendem Grund:

 

Sie können klar definieren, dass ihre Stute schnappt und Tritte andeutet, wenn sie geputzt wird, wenn sie eingekleidet wird und wenn sie gesattelt wird. Hingegen treten keine Unannehmlichkeiten auf, wenn sie geführt, longiert oder geritten wird.

 

Ich denke, der Fokus sollte hier auf  dem Herdenprinzip: "nah / entfernt" liegen!

Ausgenommen das Reiten. Hier kann Ihre Stute auf das Gelernte lückenlos zurückgreifen.

 

Ich denke, dass die Stute zeigt, dass ihr die Dinge zu schnell gehen. (Das hängt auch mit dem Charakter zusammen). Es gibt Pferde, denen - ich darf mal sagen - ist es "egal", mit welcher Bürste sie kommen, wie schnell sie bürsten, ob sie sanft oder grob sind, usw.

Andere Pferde hingegen möchten in diesen Prozess mit einbezogen werden. Tatsächlich möchten diese Pferde, bevor angefangen wird, wissen, welche Bürste genommen wird oder mit wieviel Druck gebürstet wird.

 

Meine Empfehlung hier:

- versuchen Sie bitte bewusst langsam zu arbeiten.

Konzentrieren Sie sich auf ihr Atmen und halten Kontakt zur Stute beim Putzen. Also: Eine Hand putzt, die andere Hand berührt das Pferd. So fühlen Sie Ihr Pferd und bleiben ebenso mit der Aufmerksamkeit bei Ihrem Pferd.

- Lassen Sie Ihre Stute an Allem riechen! Und zwar in Ruhe und ausgiebig. Erst nachdem sie Ihnen zeigt, dass der Geruch und vielleicht sogar die Berührung mit den Nüstern, der Lippe (keine Zähne!) ok ist und im Gehirn (linke Gehirnhälfte) abgespeichert ist, erst dann mit dem Bürsten oder anderem (auch dem Sattel, der Decke, also konsequent einmal alles, was sie benutzen) weitermachen und langsam und aufmerksam starten.

Ihre Stute zeigt Ihnen, dass der Geruch und das "Ding" gespeichert wurde - und darauf bitte achten! - inem sie den Kopf senkt - kaut oder leckt, oder gähnt!

Wie gesagt, diese "Gesten" erst abwarten und dann weitermachen.

 

Die Sinnesprioritäten beim Pferd sind wie folgt:

1. Nase

2. Augen

3. Ohren

Ohren = Aufmerksamkeit

Nase + Augen = Lernen und das Anlegen von Gehirnzellen

Lassen Sie Ihr Pferd riechen!

Wenn es nicht zu dem "Ding" hin kann, dann reiben Sie den Gegenstand mit der Hand ab (z.B. Kanister, Auto, Traktor, Reifen, Plastikteil, Kinderwagen....) und die Hand dem Pferd presentieren und riechen lassen. Erst weitermachen, wenn der Kopf gesenkt wird, gekaut wird, geleckt oder gegähnt wird.

 

Jetzt zum "Treten":

Zuerst, gerade weil ich Ihnen dies aus der Ferne empfehle - mit Aufmerksamkeit und Vorsicht arbeiten!

Aber auch hier denke ich, dass das "Treten/Schlagen" mit dem Thema "Nähe" und sogar vielleicht mit "Ängstlichkeit aufgrund von Nicht-Vertehen" zu tun hat.

Meine Empfehlung hier:

- wie gesagt mit Vorsicht arbeiten und mit großer Aufmerksamkeit

- Halten Sie einen armlang Abstand zur Hinterhand mit Ihren Beinen und Ihrem Körper - so gut es geht.

- Jetzt ist Ihr Timing gefragt: Sobald die Stute droht zu treten, geben Sie ihr einen Klapps gegen das Knie! Schnell und sofort.

Und sollte es notwendig sein, dann eben zwei aufeinanderfolgende Klappse.

Wenn das Bein auf den Boden zurückgesetzt wird, müssen Sie sich kurzfristig einige Schritte von der Stute entfernen. DAS ist die Bestätigung für Ihre Stute. So wird sie wissen, das Ihr Bein auf dem Boden bleiben soll und dass sie aufhören soll zu "drohen". Mit dem Klapps am Knie haben Sie das Benehmen der Stute sofort mittels einem groben Gefühl unterbunden! und mit dem Weggehen haben Sie bestätigt, dass das Bein Ihrer Stute auf dem Boden bleiben soll. Diese beiden Aktionen kann Ihre Stute verstehen und sie lernt daraus.

 

Das war jetzt eine ganze Menge. Ich hoffe, ich haben Ihnen ein Stück weiterhelfen können.

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Horsemanship TH-Wagner

Bo Wagner

 

 

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