Das Pferd irrtümlich in negativem Verhalten bestärken

Das Pferd einschätzen lernen: oder - wie Halter und Reiter das Pferd irrtümlich in falschem Verhalten bestärken

 

Hallo liebe Pferdefreunde,

 

im nachfolgenden Blog möchte ich ein Thema ansprechen, das leider immer noch von vielen Reitern und Haltern nicht verstanden ist - nämlich, dass man unbewusst etwas tut, dass das Pferd in seinem Verhalten bestätigt - meistens dann auch noch in negativem Verhalten.

 

Immer dann, wenn wir mit dem Verhalten des Pferdes arbeiten, sollten wir uns daran erinnern, das Sicherheit vorangig ist. Immer - und "Nicht-diskutierbar". 

Wir müssen lernen, ein Pferd gut einschätzen zu können, um dann sicher mit ihm umzugehen. 

Das Reaktionsvermögen von Pferden ist dem des Menschen haushoch überlegen. Ein Pferd, das uns z.B. beißen möchte, wird dies auch schaffen. Wir sollten die Schnelligkeit niemals unterschätzen - besonders dann nicht, wenn wir nah am Pferd mit dem Pferd arbeiten möchten. 

 

Auch die Sicherheit des Pferdes sollte uns am Herzen liegen. 

Da das Pferd ein Fluchttier ist, sollten wir darauf achten, es nicht zu verängstigen. Aus Mischungen von Angst mit Aggression, Panik, Verwirrtheit oder offensiver/defensiver Haltung gemischt, kann sich ein Pferd augenblicklich selbst verletzen, indem es steigt und stürzt, sich losreißt, gegen etwas tritt oder sich Gegenstände in seinen Körper rammt. 

 

Sicherlich ist es nicht jedermanns Sache, ein Pferd zu korrigieren oder zu rehabilitieren. Wir sollten uns nicht von unserem Ego oder falschem Stolz dazu verleiten lassen, Problempferde zu korrigieren, ohne selbst genug Erfahrung auf diesem Gebiet zu haben!!

 

Im nachfolgenden Videoclip geht es um mangelndes Wissen der Halter eines Hengstes. Die Situation ist wirklich exemplarisch, wenn auch extrem. Dennoch sieht man nur allzu deutlich, wie der Hengst immer wieder durch das Weggehen der Halter (Abstand = Druck nehmen!)  in seinen emotional falschen Aktionen bestätigt wird. Das "Ende vom Lied" ist ein Pferd, dass emotional relativ gut drauf ist, aber das Benehmen eines Raubtieres zeigt. 

 

Zwar holen sich die Halter im Video kurzfristig Rat von einem Profi (Buck Brannaman), gehen aber trotz Tränchen nicht weiter auf das, was Brannaman sagt, ein - und machen weiterhin Fehler über Fehler im Umgang mit dem Hengst!! (Ich glaube, die Halter wollten den Hengst einreiten lassen?)

 

Wenn ich von Fehler spreche meine ich hier: Das Pferd falsch bestätigen. (Goldene Regel #5 - Druck nehmen heißt: sich vom Pferd entfernen und somit das Pferd in seiner zuletzt gemachten Bewegung bestätigen) 

 

Leider ist genau dies bei diesem Hengst passiert.

Ihm wurde falsches Benehmen leicht gemacht, indem nicht gemaßregelt wurde, bzw. indem dieses falsche Benehmen auch noch unbewusst/ irrtümlich von den Haltern fortwährend bestätigt wurde. Grund genug für das Pferd, sich beim nächsten Mal noch mehr anzustrengen... und umso gefährlicher für den Menschen!

 

Das nachfolgende Video habe ich vertont - ihr könnt so also gut beobachten und mithören. 

Denkt also bitte immer voraussichtig und denkt immer an die Sicherheit von euch und eurem Pferd. 

 

Achtet bitte IMMER darauf, was ihr wann mit eurem Pferd macht und wann ihr von eurem Pferd weggeht - dieses Weggehen nimmt "Druck" und ist von größter Bedeutung für euer Pferd. Es wird damit direkt in seiner letzten Aktion bestätigt.

 

Schaut euch das Video an:

 

Herzlichst,

Eure Bo

 

Warnhinweis: This video is graphic!

Anmerkung zum Video :

Wenn ihr das Ohrenspiel des Hengstes während der "Angriffe" beobachtet, dann ist zu erkennen, dass von Seiten des Hengstes emotional wenig Aggression vorhanden ist (ich weiß, ich benutze das Wort Aggression auch im Video - ist es aber nicht wirklich). Das, was hier passiert, ist anerzogenes falsches Verhaltensmuster!

 

Vergleichen wir, was hier im Video gezeigt wird mit einem Kind, dann ist das so, als würde man ein Kindergartenkind mit einem Fleischermesser umherziehen lassen und kein Erwachsener würde dem Kind das Messer wegnehmen und "NEIN" sagen. Würde das Kind dann den Nachbarshund damit töten, stünden die Erwachsenen lediglich nur da und gingen nach einem kurzen Kopfschütteln wieder ihrer Arbeit nach... Es kann sich jeder vorstellen, was aus diesem Kind in solch einer Horrorvorstellung während des Heranwachsens werden würde...

 

Der Hengst verhält sich mit seinen Aktionen gemäß dem, wie er es immer wieder durch die Menschen um ihn herum  betätigt bekommen hat - sie haben sich von ihm entfernt, sind weggegangen und haben somit Druck genommen. Das ist eine Bestätigung für die letzte Aktion des Pferdes.  Emotional ist er eigentlich "gut drauf" und nur in wenigen Sekunden fühlt er selbst Aggression. Vielmehr ist der Hengst emotional komplett widersinnig erzogen worden.

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